Samstag, 24. August 2019

Regeln erfolgreicher Kommunikation

(c) pixabay - rawpixel
Kürzlich hielt ich mit Mitarbeitern einer großen Firma ein Teamtraining ab. Die Gruppe war sehr aufgewühlt, unterschwellig brodelte es und eigentlich wartete ich darauf, dass einer der Teilnehmer explodierte und die Situation damit eskalierte.
Ich verwarf mein gedachtes Programm und wir erarbeiteten zunächst Kommunikationsregeln, an die sich künftig jeder – wie an Verkehrsregeln – halten sollte. Es klappte. Das Miteinander verbesserte sich zusehends.
Ich finde, diese Regeln gelten prinzipiell für jeden, der mit anderen Menschen zu tun hat. Daher wünsche ich viel Spaß beim Lesen und Anwenden!
  1. Wir akzeptieren den jeweils anderen erst mal so wie er gerade ist. Stimmt etwas nicht oder kann etwas verbessert werden, geben wir ehrliches Feedback.
  2. Nimm dir Zeit. Jeder hat das Recht gehört zu werden. Wir brauchen keinen weiteren Stress durch unnötige Konflikte, die vielleicht auf einem Missverständnis beruhen.
  3. Wir denken lösungsorientiert und konzentrieren und auf unsere Stärken. Rede daher davon was andere können statt ihnen die Schwächen vorzuhalten.
  4. Lächeln ist die beste Art dem anderen die Zähne zu zeigen. Lächeln Sie bitte viel! Sehr viel!
  5. Als höfliche, gebildete Menschen lassen wir den anderen ausreden. Ins Wort fallen ist nur bei Feueralarm oder drohender Gefahr erlaubt.
  6.  Jeder steht für sich und seine Äußerungen ein. Daher beginnt die ideale Kommunikationsform mit „Ich“ (nicht mit „man“, „wir“ oder „du“).
  7. Hier wird niemand gehänselt, beleidigt oder angegriffen. Es wird auch nicht hinterrücks schlecht über jemanden geredet. Gelingt dir das nicht, wende dich an die Leitung für ein klärendes Gespräch!
  8. Wir bleiben beim Thema. Ausschweifungen sind was für Partys oder Kneipenabende.
  9. Bleibe authentisch, aber handle und rede nicht aus einer aufgewühlten Emotion heraus. Spüre zuerst nach, was du WIRKLICH mitteilen möchtest, atme einmal tief durch und teile dann mit, was du möchtest.
  10. Bleibe empathisch. Mitgefühl ist sinnvoller als roboterhaftes Gequatsche.
  11.  Jeder hat die Verantwortung nur für sich. Aber wir als Team auch für die Gruppe und unsere Ziele (individuelle und Gruppenziele)
  12. Vermeide Interpretationen. Gebe eher Feedback, was du verstanden hast (was bei dir angekommen ist).
  13. Kommunikation ist niemals einseitig. Miteinander reden erfordert einen Dialog.
  14. Störungen in der Kommunikation (Missverständnisse, Konflikte, emotionale Probleme) werden unmittelbar angesprochen, um eine Lösung herbeizuführen.
  15.  Laute Seitengespräche sind störend für einen reibungslosen Ablauf. Wenn du etwas Wichtiges zu sagen hast, mache es laut oder mit deinem Nachbarn SEHR leise. Den Respekt hat JEDER von uns verdient.
  16. Bitte keine Verallgemeinerungen. „Alle Männer mit dickem Bauch sind im 9ten Monat schwanger …“
  17. Achte auch auf die nonverbale Kommunikation deines Mitmenschen. Gestik, Mimik und Tonfall verraten viel über die Gefühlslage des anderen. Die Beachtung kann die Kommunikation enorm verbessern.
  18.  Zeige den anderen deine Wertschätzung. Lob und Bestätigung bringen immer weiter als Zurechtweisung oder Angriff.
  19. Zuhören ist wichtiger als einfach nur hören. Versuche, dich in den jeweils anderen einmal hinein zu versetzen. Das hilft, entspannt zu bleiben.
  20. Handys gehören nicht in den Arbeitsalltag. Sie sind lautlos zu schalten und nur in dringenden Fällen oder außerhalb der Pausen zu verwenden.
  21. Die einfachste und beste Kommunikation der Welt besteht aus 4 einfachen Worten: „Ja“, „Nein“, „bitte“ und „danke“.

 Copyrights: Gudrun Anders, Aachen. www.gudrun-anders.de

 

Sonntag, 18. August 2019

Wie viel sind 30%?

Vor ein paar Tagen wollte ich eigentlich schnell im Drogeriemarkt etwas Katzenfutter besorgen, als mir ein knallgelbes Schild mit dem Wort „Räumungsverkauf“ an einem Schuhgeschäft auffiel.

Schon seit Tagen hatte ich die Idee, mir für meine leicht gestressten Füße ein paar neue sommerlich-luftige Latschen zu holen. Und da ich gern ein paar Euro spare, ging ich schnell in den Laden hinein und suchte nach meinen neuen Schuhen.

Schnell hatte ich gefunden, was ich ungefähr gesucht hatte. Das gut sitzende Paar sollte regulär 29,95 € kosten. Ein großer, roter 30%-Rabatt-Aufkleber prangerte ebenfalls auf dem Karton. Darunter der neue Preis: 27,83 €.

Ich hatte schon einen Schritt in Richtung Kasse gemacht, als meinem Kaufmannshirn auffiel, dass an der Rechnung irgendetwas falsch war. Schnell rechnete es 10% aus – und das waren immerhin schon 2,99 Euro. Das ganze mal drei konnte auf keinen Fall den neuen Preis auf dem Karton ergeben. Der Aktionspreis musste für mein Dafürhalten knapp über 20 Euro liegen.

Ich wähnte also einen Fehler und ging dennoch zur Kasse, um den Preis zu klären. Irgendwie fand ich die Schuhe schon nett und den rabattierten Preis wollte ich für meine Füße gern investieren.

„Entschuldigung“, wandte ich mich an eine Verkäuferin. „Was ist der neue Preis für diese Schuhe?“

„Steht doch auf dem Karton…“, meinte sie ohne von ihrem Handy aufzusehen.

„Ich glaube, der Preis ist falsch“, gab ich ihr zu Bedenken.


Sie schaute mich erstmals an. „Der Computer verrechnet sich nicht.“

„Könnten Sie vielleicht mal einen Blick drauf werfen und mir dann sagen, zu welchem Preis ich diese Schuhe erwerben kann?“ Ich war immer noch um Ruhe bemüht. wuuuussaaaaaa ……

„Die kosten jetzt 27,83 €, so wie es auf dem Schild steht.“ Sie wandte sich wieder ihrem Handy zu.

„Dann wurden da allerdings keine 30% abgezogen“, gab ich ihr erneut Futter. Ich hatte es geschafft, sie nahm sich jetzt einen Taschenrechner zur Hand und legte ihr Handy mit der begonnenen SMS endlich weg.

„29,95 mal 30 Prozent … minus … gleich ….“ Es entstand eine kurze Pause. „Oh, da scheint ja wirklich etwas falsch zu sein. Moment, ich rufe die Kollegin.“

Das tat sie dann auch. Diese rechnete ebenfalls noch mal nach und meinte dann siegessicher: „Die Schuhe kosten jetzt 29 Euro und 5 Cent. Wollen sie die haben?“

„Nicht zu dem Preis“, warf ich ein. Ich hatte im Kopf mitgerechnet. Wahrscheinlich hatte sie bei den 30% Rabatt einfach nur die Null vergessen einzutippen, die in diesem Fall einen ganz erheblichen Preisunterschied für mich machte. Kann ja mal vorkommen ….

„Zu welchem Preis denn?“, fragte die zweite Verkäuferin dann keck.

„Zum richtigen“, meinte ich und überlegte gerade, ob ich nicht meinen Beruf wechseln und mal Verkäuferinnen ausbilden sollte. In meiner Generation und auch während meiner Kaufmannsausbildung hatten wir noch Kopfrechnen gelernt, wenngleich wir später auch Taschenrechner und Computer nutzen. So war doch zumindest noch ein Fünkchen Preisgefühl vorhanden.

Verkäuferin Nummer 2 nahm sich jetzt meinen Schuhkarton und ging damit zur Kasse. Sie hielt den Karton vor den Scanner und meinte dann freudestrahlend: „Die Schuhe kosten jetzt 19,48 €. Nehmen Sie die mit?“

„Zu dem Preis ja!“, rief ich und grübelte, wie es sein konnte, dass der neue Verkaufspreis unter 20 Euro lag. Konnte ich mich tatsächlich so verrechnet haben?

Ich bezahlte und verließ den Laden. Draußen nahm ich mir mein Handy zur Hand. Was für ein Segen, dass heute in jedem Smartphone eine Taschenrechner-App enthalten ist!

29,95 Euro abzüglich 30% Räumungsrabatt waren laut meinem Telefon 20,96 Euro. Ich tippte auch den falschen Preis ein und zog den Rabatt ab – et voilá – da hatte sich das Mysterium geklärt. Irgendjemand – wahrscheinlich war‘s der Computer … - hatte die 30% noch einmal vom bereits falsch reduzierten Preis abgezogen.

Für einen Moment überlegte ich, ob ich reingehen und das erneut klarstellen sollte. Aber ein Blick in die Runde verschaffte mir eine neue Idee. Das on top gesparte Geld investierte ich lieber in eine leckere Kugel Eis. Die hatte ich mir jetzt auch redlich verdient.

(c)  Text und Bild: Gudrun Anders, Aachen.

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