Interview mit Gudrun Anders


Frau Anders, wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

Ich habe in früheren Jahren eine wahre Odyssee in puncto „Beruf“ hinter mir. Ich bin gelernter Großhandelskaufmann, habe dann im Versicherungsaußendienst gearbeitet und auch eine Weile einen Second-Hand-Shop in meiner Heimatstadt Lübeck geführt. Das befriedigte mich alles irgendwie nicht wirklich – oder nur für eine kleine Weile. 

Dann habe ich komplett das Fachgebiet gewechselt, ich hatte aufgrund persönlicher Veränderungen plötzlich ganz andere Interessen und bin in die spirituelle bzw. alternative Szene abgewandert. Dort habe ich verschiedene Ausbildungen – bspw. einen Lehrgang zur Heilpraktikerin für Psychotherapie – absolviert. Weil ich selbst einige Bücher geschrieben hatte, habe ich später einen sehr erfolgreichen Kleinverlag geführt. Aber auch in diesem Beruf fehlte mir wieder etwas. 

Heute, nach sehr vielen Veränderungen und langen Jahren der Suche, weiß ich, dass ich „Spirit & Marketing“ – daher heißt meine Firma auch so! – brauche, um mich wohl zu fühlen. Ich muss nach außen und nach innen gehen, beides empfinde ich als sehr wichtig für mich. Daher unterrichte und begleite ich heute Menschen aus dem spirituellen Sektor in kaufmännischen Dingen und Marketingkonzeptionen. Oder reine Kaufleute in spirituellen Dingen, je nachdem, von welcher Seite man das gerade betrachtet …


Was begeistert Sie am meisten an Ihrem Business, Frau Anders?

Ich finde, die Menschheit braucht mehr „spirituelle Unternehmer“, Menschen, die ganzheitlicher denken. Darunter verstehe ich eine neue Generation von Selbständigen und Unternehmern, die eben besagten „Spirit & Marketing“ haben und beides versuchen – beruflich wie privat! – im Gleichgewicht zu halten. Wir brauchen nicht „mehr – mehr – mehr“ um gut leben zu können, wir brauchen eine gesündere Einstellung zu uns, dem Leben und vor allem auch zu unseren Mitmenschen. 

Innen und außen muss in Harmonie sein oder wieder gebracht werden, damit der Mensch zufrieden ist. Viel Geld ohne Lebensinhalt bringt genauso wenig wie ein großer Sinn, wenn der Kühlschrank leer bleibt.

Naja, und ich bin halt mit Leib und Seele Unternehmerin, ich eigne mich nur bedingt zur Angestellten. Ich finde auch, dass es mehr mutige Menschen auf diesem Planeten braucht. Nur wer mutig ist, und neue Wege geht, hilft die Welt zu verändern.

Wenn man ein ganzes Erwerbsleben lang tagaus tagein den gleichen Job macht, dann hat man sicherlich eine gute Basis zum Leben, eine schöne Wohnung, tolle Klamotten – aber die Herausforderung fehlt doch komplett! Man muss mal Kräfte messen. Man muss auch mal Existenzängste erleben oder einen kompletten Höhenflug, weil man gerade auf der Erfolgswelle schwimmt. Das ist Leben für mich. Und weil ich all das – Ängste, Nöte, Sorgen und die große Erfolgswelle –natürlich am eigenen Leib erfahren habe, unterstütze ich andere gern in ihrer Selbständigkeit.


(c) pixabay - Schreib-Engel
Weshalb Standort Aachen und nicht eine andere Großstadt?

Ich bin gebürtige Lübeckerin, an der Ostsee aufgewachsen. Ich bin vor etwas über 20 Jahren mit meinem Ex-Mann hier hergekommen – und hängengeblieben. 

Irgendwie hab ich mich mit Land und Leuten angefreundet – was anfänglich nicht so leicht für mich war – und eine neue Heimat gefunden. Klar, die Nähe zur See und zum Meer fehlt natürlich, aber dann fahre ich an die niederländische Küste, die ist ja fast vor der Tür.

Karneval und CHIO sind allerdings nicht meine Vorlieben, auch wenn ich mitten in der Aachener Soers wohne. Da nerven mich manchmal die Veranstaltungen an CHIO und Tivoli eher etwas, wenn ich im Garten meine Ruhe haben und meine Freizeit genießen möchte. 

Tja, und „spirituelle Unternehmer“ werden überall gebraucht. Ich finde, es sollte Entspannung, Wellness, Gespräch und einen vernünftigen Heilpraktiker oder Yoga-Zentrum in jedem Stadtteil geben. In jedem Dorf rundherum natürlich auch. Davon sind wir noch weit entfernt! Also gibt’s noch viel für mich zu tun!


Gibt es Dinge, die in Aachen besser gehen als anderswo oder schlechter?

Ja, es gibt einige Dinge in Aachen, die schlechter gehen als anderswo. Schaue ich mir Köln an, dann haben wir dort eine Hochburg an spirituellen und alternativen Dingen. Davon sind wir hier in Aachen noch Meilenweit entfernt. Mir scheint auch, dass es alternative Medizin hier weit schwerer hat als anderenorts. Aachen ist schon sehr Techniklastig … Ich wünsche mir von den Aachener Verantwortlichen einfach etwas mehr Offenheit in dieser Richtung. 


Dom in Aachen (c) pixabay - falco
Was war für Sie die wichtigste Veränderung in Aachen?

Seit ich hier lebe, verändert sich die Stadt sehr. Die denkwürdige Verkehrsführung in der Aachener Innenstadt finde ich auch nach so vielen Jahren immer noch verrückt. 

Es werden auch irgendwie eine ganze Menge unsinnige Projekte mit Gewalt durchgezogen, die Millionen verschlingen und es gibt immer noch jede Menge Menschen hier, die nicht ausreichend versorgt sind.

Die Krefelder Straße mit neuem Hotel, einem Neubaugebiet und dem neuen Fußballstadion ist meine Haupt-Einflugschneise nach Hause oder mein Weg in die Stadt. Und die hat sich in den letzten Jahren natürlich gut herausgemacht. Durch die Krefelder Str. zu fahren, bringt schon ein bisschen Großstadtflair hierher. 

Ich bin allerdings froh, dann wieder in der etwas ruhigeren Soers zu sein und hoffe, dieser so stadtnahe grüne Landstrich bleibt uns so erhalten, wie er ist!


Wenn Sie spontan in Aachen etwas verändern könnten, was wäre das?

Ich finde, es gibt in Aachen zu wenige Plätze, wo man sich einfach mal hinsetzen und ausruhen kann. Einfach mal da sein, sich umschauen, anderen Menschen begegnen. Warum werden nicht auf dem Marktplatz ein paar Dauerbänke aufgestellt? Ein paar Bäume gepflanzt und drumherum ein paar Sitzbänke aufgestellt? 

Warum gibt’s hier in der Soers den „weißen Weg“, den niemand findet und schon gar nicht nutzt. Warum gibt es irgendwelche Stahlhängematten auf halber Höhe am Lousberg, wo kaum einer – höchsten Jugendliche in Partylaune – hingeht? Kilometerweit gibt’s hier – gerade für Senioren, die vielleicht auch gern unterwegs wären – keine Rastmöglichkeit. Die teils wunderschöne Natur kann überhaupt nicht genossen werden!

Ich träume schon lange hier in der Soers von einem kleinen, niedlichen Café, wo sich Jogger, Reiter, Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern und Wanderer treffen und kurz ausruhen können. Wo man in natürlicher Umgebung beisammen sein kann. Ich stelle gern meine Arbeitskraft dafür zur Verfügung, wenn es dafür einen Investor gäbe!!

Ich würde auch die Innenstadt etwas hübscher gestalten. Den Verkehr anders verteilen, beruhigte Zonen einrichten, die Marktplätze einladender gestalten, mehr mit Pflanzen arbeiten. Auch für Kinder und Jugendliche würde ich mehr tun. Hier fehlen die gleichen Orte. Treffs, wo man ungezwungen mit anderen in Kontakt kommen und gemeinsam etwas tun kann. Vom Sport bis hin zu Lerneinrichtungen.


Was war Ihr berufliches Highlight, an das Sie sich am liebsten erinnern?

Ich habe von 2005 bis 2010 hier in Aachen große Esoterik-Messen organisiert. Viele Tausend Menschen kamen und informierten sich über alternative Heilmethoden. Das war extrem erfolgreich. 

Dann vermietete uns die RWTH die Räume nicht mehr. Das war natürlich ein Faustschlag mitten ins Gesicht, der schwer zu verknusen war. Noch heute erinnern mich viele Menschen an diese Messen und die wunderbaren Begegnungen, die wir dort hatten. Es war eine Zeit, in der alternative Heilmethoden und Spiritualität hier wachsen durften. Momentan hat die Technik hier wieder die Oberhand gewonnen. ….


Welche Persönlichkeit der Gegenwart würden Sie gern einmal treffen?

Lachen Sie bitte nicht – Dieter Bohlen. Ich finde, der Mann ist nicht nur unglaublich erfolgreich, er lässt sich definitiv kein X für ein U vormachen. Ich bewundere, dass er öffentlich immer frei heraus sagt, was er wirklich denkt. Manchmal vielleicht auch etwas zu drastisch, aber nun gut. Mir imponiert die Klarheit und Direktheit einfach. Kein Verstellen, keine Schauspielerei, kein Drumherum-Reden. 


Was wünschen Sie sich für die Region?

Ich wünsche mir eine Verschönerung der Soers, die nicht nur wegen des weltbekannten Reitturniers ein Begriff sein sollte. Ich wünsche mir auch, dass etwas mehr für die Erhaltung der Natur getan wird. Und vielleicht könnten wir den Lousberg ein wenig attraktiver gestalten. Das ist doch auch ein Ort, wo man Begegnungsstätten für Menschen errichten könnte. Und nicht solche Klötze bauen wie das neue Tivoli, sondern Orte von Menschen für Menschen, keine Abfertigungshallen. 

Wie wäre es mit einem öffentlichen Grillplatz, der Verschönerung des Aachener Zoos, der Herrichtung der Wanderwege in der Region, dem Ausbau der Fahrradwege, einer Skihalle … Und da ich den Strand und das Meer vermisse, könnte man doch eine tropische Beach-Anlage herrichten. 

Gudrun Anders bei einer Lama-Tour in der Eifel.
Ach, man könnte noch viele kleine Dinge für mehr Wohlbefinden tun!

Vielleicht gibt’s ja auch einen Investor, der mit mir eine kleine Alpaka-Station einrichtet oder mir hilft, hier ein Esel-Wander-Coaching zu etablieren. Ich würde so gern mit einem Lama oder Alpaka auf kurze Wanderschaft gehen, ohne dafür extra nach Peru fahren zu müssen. Solche geführten Wanderungen sollen ja therapeutische Wirkung haben. Ich würde dann ein paar Honoratioren der Stadt zur ersten Coaching-Tour einladen. (lacht)